Rumänien könnte 2026 eine Getreideproduktion von rund 30,5 Millionen Tonnen erreichen. Das geht aus der aktuellen Prognose von COCERAL, dem europäischen Verband des Handels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Olivenöl und Agrarbedarf, hervor. Damit würde das Land die beste Ernte der vergangenen fünf Jahre erzielen, wie von Ziarul Financiar ausgewertete Daten zeigen.
Bereits 2025 produzierte Rumänien mehr als 29 Millionen Tonnen Getreide und exportierte nach Eurostat-Daten 17,6 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten. Die Ausfuhren brachten der Wirtschaft 5,3 Milliarden Euro ein – fast eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Das Exportvolumen stieg um 12 Prozent, der Exportwert um 23 Prozent.
Auch gesamtwirtschaftlich gewann die Landwirtschaft an Bedeutung: Der Bereich Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei leistete 2025 einen positiven Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Das Aktivitätsvolumen lag um 6,6 Prozent über dem Vorjahresniveau und erreichte nach öffentlichen Daten einen Wert von 57,5 Milliarden Euro. Eine höhere Produktion im Jahr 2026 dürfte sich daher auch in einem stärkeren Beitrag zum rumänischen Staatshaushalt niederschlagen.
Für das laufende Jahr wird insgesamt mit einem deutlichen Produktionsplus gerechnet. Die erwartete Ernte von mehr als 30 Millionen Tonnen läge rund 35 Prozent über dem Niveau von 2022, als Dürre und extreme Hitze die Landwirtschaft stark belasteten. In der aktuellen Saison wirkten sich die reichlichen Regen- und Schneefälle im Winter und Frühjahr positiv auf die Entwicklung der Kulturen aus – insbesondere bei Weizen, Gerste und Raps, wo die Landwirte hohe Erwartungen haben.
„Für Weizen ist eine realistische Schätzung von über 12 Millionen Tonnen möglich. Bei Raps könnte die Produktion mehr als 2 Millionen Tonnen erreichen. Insgesamt waren die natürlichen Bedingungen in dieser Zeit günstig, auch wenn es im Nordwesten und Westen Regionen mit niedrigeren Erträgen gibt. Dort sprechen wir jedoch nicht von Ernteausfällen, sondern von geringeren, aber weiterhin ordentlichen Erträgen“, sagte Dan Hurduc, Präsident des Rumänischen Landwirte-Clubs, gegenüber Ziarul Financiar.
Die guten Aussichten kommen nach mehreren schwierigen Jahren für den Agrarsektor. Dürre, Hitzeperioden und niedrige Preise – teils auf dem Niveau von vor fünf bis zehn Jahren – setzten Landwirte und Händler unter Druck und führten in der Branche zu Schutzschirmverfahren, Insolvenzen und Geschäftsaufgaben. Trotz der erwarteten Rekordergebnisse bleibt die Erholung fragil.